Mauerwerksverbände

 - Paul Schmidt

Läufer- oder Schornsteinverband // Binderverband // Blockverband.

Mauerwerksverbände
Abb. 76. Läufer- oder Schornsteinverband // Abb. 77. Binderverband // Abb. 78. Blockverband.

a) Der Läuferverband oder Schornsteinverband ist nur für ½ Stein starke Mauern bestimmt. Die Steine überdecken sich um das halbe Längenmaß. Die Ecke wird wechselweise durch halbe Steine gebildet (Abb. 76).

b) Der Binderverband. Bei der 1 Stein starken Mauer wechseln Läufer- und Binderschichten miteinander ab. In Ausnahmefällen (Bassins in gewerblichen Anlagen, Luftkästen vor den Fenstern) werden solche Mauerkörper nur aus Bindern aufgeführt (Abb. 77). Es sei hier auf einen Ausnahmefall hinsichtlich des Wechselns der Schichten mit Läufern und Bindern hingewiesen, der für die praktische Ausführung eine große Bedeutung hat. Der Maurer nennt die letzte Schicht eines Geschosses die Gleiche, auf welcher die Balken ihr Auflager haben. Ist die vorletzte Schicht einer 1 Stein starken Wand (Scheidewand oder Mittelwand) eine Binderschicht, so würde die letzte Schicht eine Läuferschicht werden müssen. Der erfahrene und vorsichtige Maurerpolier wird aber diese Schicht als Binderschicht auf die vorletzte Binderschicht legen lassen, um eine Mittelfuge in der Längenausdehnung der Wand zu vermeiden. Geschieht dies nicht, so können Zimmerleute, die auf einer solchen Wand beim Verlegen der Balken entlang laufen, sehr leicht abstürzen, weil die Läufer keine sichere Lage haben.

c) Der Blockverband. Im Äußern wechseln Läufer- und Binderschichten ab. Die Verzahnung ist regelmäßig ¼ Stein breit, die Abtreppung unregelmäßig ¼ und ¾ Stein breit (Abb. 78).

d) Der Kreuzverband. Binder- und Läuferschichten wechseln wie beim Blockverband regelmäßig. Die Stoßfugen der Binderreihe liegen auch hier lotrecht übereinander, hingegen sind die Stoßfugen zweier aufeinander folgenden Läuferschichten um einen halben Stein versetzt. Durch das wechselseitige Verschieben der Läuferschichten entstehen an den Außenflächen selbständige Kreuze. Die Verzahnung des Kreuzverbandes bedingt eine dreimalige Überkreuzung um je ¼ Stein. Da praktisch eine solche Verzahnung nur durch Unterstützung des auskragenden Binders möglich ist, so vermeidet man sie gerne und bedient sich statt dessen der Abtreppung (Abb. 79).

e) Der holländische Verband unterscheidet sich von den vorigen darin, daß in der Läuferschicht fortlaufend zwischen je 2 Läufer ein Binder kommt (Abb. 80).

f) Der gotische Verband. Alle Schichten sind gleich und bestehen aus abwechselnd Binder- und Läufersteinen (Abb. 81).

g) Der wendische Verband ähnelt dem gotischen, nur kommen nach jedem Binderstein 2 Läufersteine (Abb. 82). Welchem Verbande der Vorzug zu geben ist, richtet sich nach dem Zweck des Gebäudes und dem Kunstempfinden. Sollen die Ansichtsflächen in Ziegelrohbau bleiben, dann empfiehlt sich aus architektonischen Gründen, den wendischen oder gotischen Verband zu wählen; in allen anderen Fällen ist der Kreuzverband der geeignetste.

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