Fachwerkhaus

 - Rudolf Lempp

Einfamilienhaus in verputztem Holzfachwerk (überlieferte Bauweise)

Fachwerkhaus
Bild 211. Einfamilienhaus in verputztem Holzfachwerk (überlieferte Bauweise)

IV. Die gezimmerte Wand.
1. Das überlieferte Holzfachwerk. Die Fachwerkbauweise ist eine uralte deutsche Bauweise. Sie hat sich bei den verschiedenen deutschen Volksstämmen in verschiedenen eigenartigen Sonderbauweisen zu höchster handwerklicher Güte und reichster Einzelgestaltung entwickelt (Bild 207). 
Seit dem Mittelalter hat der öffentliche Bau jedoch mehr und mehr die Steintechnik bevorzugt. Der einfache Wohnungsbau aber mußte das Holz sparen, so blieb ein einfaches Gerippe von Trag-, Stütz- und Strebhölzern übrig, die stockwerkweise raumabschließende Wandflächen bilden (Bild 208, 212). 
Diese werden mit möglichst leichten, aber wärmeschützenden Steinen (meist Schwemmsteinen) ausgemauert. Die dünne Wand braucht zur Verbesserung des Wärmeschutzes jedoch besondere Isolierplatten (aus Holzfaser oder Torf (1-3 cm stark), die an der Innenseite der Ausriegelung befestigt werden (Bild 212).

Das Deckengebälk liegt auf waagrechten Pfetten (Bild 208-212), die von den senkrechten Pfosten getragen werden. Diese Pfosten sitzen an allen Wandenden (vor allem den Hausecken) und zu beiden Seiten jeder Tür- und Fensteröffnung. Soweit dies nicht genügt, werden etwa alle Meter Zwischenpfosten eingestellt. Die Pfosten selbst ruhen wieder auf waagrechten Schwellen (Bild 210).

Schrägstreben immer paarweise angeordnet, sind in jeder Außenwand und den Haupttragwänden nötig, um die Windkräfte aufzunehmen.
Waagrechte Riegel werden zwischen den Pfosten und Streben eingezapft, um Fenster- und Türhöhen zu begrenzen (Brüstungs- und Sturzriegel) und die Fachwerkfelder so zu unterteilen, daß die Ausmauerung genügend Halt hat. (Die Riegelfläche soll höchstens 1 m2 sein.)

Wo die Deckenbalken in der Wandrichtung verlaufen, tritt ein Deckenbalken an die Stelle einer Pfette und einer Schwelle (Bild 209). Die Hölzer erhalten einfache Zapfenverbindungen (Bild 261). Deckenbalken werden auf den Pfetten durch Dollen oder durch Einkämmung festgehalten (Bild 165 und 171).

Bei nach außen sichtbarem Holzfachwerk ist das Bauholz wesentlich mehr gefährdet als bei verputztem Holz. Es ist daher besonders sorgfältig zu schützen und wenn Bauten mit sichtbarem Holzwerk aus langsam wachsendem, harzreichem Gebirgsholz sich in kalter trockener Luft gut gehalten haben, so beweist dies noch nichts für die Haltbarkeit von handelsüblichem Holz in warmfeuchtem Talklima.

Solches sichtbares Holzfachwerk muß daher gegen Fäulnis getränkt werden, außerdem sind alle Putzanschlüsse an waagrechten Holzflächen und alle waagrechten Holzfugen sorgfältig zu dichten. Schwellen über massivem Sockel sind der Zerstörung besonders stark ausgesetzt. Sie sollen grundsätzlich mit der Außenfläche des Sockels bündig gelegt werden, damit kein Wasser sich unter der Schwelle festsetzen kann (Bild 210). Solche Schwellen sind außerdem besonders sorgfältig gegen aufsteigende Feuchtigkeit zu schützen.

Wird die Fachwerkwand verputzt, so muß das Holz durch einen dichten Putzträger (Stauß-Ziegelgewebe) so überbrückt werden, daß der Putz von den unvermeidlichen Bewegungen des Holzes ganz unabhängig wird. Der Putzträger darf daher nur am Riegelmauerwerk, nicht am Holz selbst befestigt werden (Bild 212).

Besondere Schwierigkeiten machen dabei alle waagrecht durchlaufenden Hölzer (Schwellen und Pfetten) bei mehrstockigen Wänden. Wenn sie schwinden, wird die Wand niedriger. Da der Wandputz sich nicht zusammendrücken läßt, blättert er ab.

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